Ein Märchen.
Auf einem Felsen mitten im Bergstrom saß ich und ließ meine Füße hinabbaumeln, dass sie fast die Oberfläche der hüpfenden, kreiselnden Wasser berührten. Hier und da flog mir ein neugieriges Wellchen auf die Schuhspitze, ließ sich von dem Sonnenstrahl küssen und entfloh dann — wie ein schüchternes Mädchen — wieder in die Tiefe.
Was aber das Schönste war, davon sah und hörte sonst niemand etwas — und das war die Unterhaltung, die die Fluten des Bergstroms mit meinen Schuhsohlen pflogen.
“Wer seid ihr?” fragten die Schuhsohlen; denn sie waren weitgereist und eifrig bestrebt, sich zu bilden.
“Tränen!” rief eine kleine Welle, überschlug sich — und fort war sie.