Wirklich nur eine Krise?

CICCIOLINA hat am 2/5/2003 gefragt:
Mein Fre­und und ich sind seid
1 1/2 Jahren zusammen.
Obwohl wir schon von Anfang an Kom­mu­nika­tion­ss­chwierigkeit­en hat­ten, und es in unser­er Beziehung noch nie wirk­lich ruhig zuge­gan­gen ist, belastet mich die jet­zige Sit­u­a­tion extrem. Ich liebe ihn sehr und er mich auch, aber seid 2 monat­en ner­ven wir einan­der sehr oft, ich mache ihn aggres­siv und er mich. Oft wegen Kleinigkeit­en. Ich möchte am lieb­sten immer genau wis­sen, was dies­mal das Prob­lem war und was er emp­fun­den hat in der Sit­u­a­tion, was dies­mal der Aus­lös­er für seine Aggres­sio­nen war, aber dann wird er noch aggres­siv­er. Wenn ich ver­suchen will, darüber zu reden, wirds nur noch schlim­mer, er wird wütend!er wartet lieber ab, und nach kurz­er Zeit (wen­n’s gut geht) ist es wieder einiger­massen okay und er hat sich beruhigt. Aber ich kann nicht alles in mich hineifressen, denn immer wenn wieder so was geschieht, frage ich mich: “was ist nur geschehen?” ich ste­he dann jedes­mal vor einem grossen Frageze­ichen, weil ich nicht begreifen kann, wie es wieder so schnell zu einem Stre­it kom­men konnte.Weil ich oft nicht begreife, wieso dass er wieder wütend gewor­den ist. ich möchte darüber reden, denn ich denke, dass man sich bess­er ken­nen­lernt, wenn man die Gedanken, beson­ders in Stres­si­t­u­a­tio­nen, einan­der mit­teilt. Ich glaube nicht, dass unsere Prob­leme mit unserem Alter­sun­ter­schied zu tun haben (ich 22, er 35), son­dern vielle­icht damit, dass wir eine völ­lig andere “Kom­mu­nika­tion­sebene” haben.
Wieso ner­ven wir uns immer? Wir lieben uns doch! Wir fühlen uns bei­de voneinan­der provoziert, er denkt oft, ich wolle ihn absichtlich provozieren, und ich finde, dass er mich oft über­he­blich und arro­gant behan­delt. Ein Beispiel:Wir waren gestern in einem Brock­en­haus. Als ich ihm was gezeigt habe, was mir gefiel, lächelte er besser­wis­serisch und sagte mit seinem über­he­blichen Ton: “das ist nicht antik. Hat keinen his­torischen Wert.”
Und weil mich seine Reak­tion ver­let­zte, erk­lärte ich in etwas über­he­blichem Ton, dass mir eben das gefalle, was ich schön fände, und nicht, was his­torisch wertvoll sei. Es ging dann so weit­er, und ich hat­te das Gefühl, er reagiere gemein, wenn mir etwas gefällt was ihm nicht gefällt, mit Bemerkun­gen wie z.B. “das ist aber nicht dein Ernst oder?” Am Schluss waren wir bei­de wütend, und als ich ihm erk­lärte, ich fände die dinge, die ihm gefie­len, auch nicht schön, und deswe­gen doch nicht ver­let­zend und gemein wäre zu ihm, sagte er mir (nein, er schrie), dann solle ich mal drauf acht­en, wie ich reagiere. So qua­si, ich täte das selbe wie er. Das ist nur ein Beispiel unter 1000. Es ist ein Teufel­skreis. Wir haben viel zu wenig Respekt vor­einan­der. Dann gibts wieder Zeit­en, wo es wie im Film ist zwis­chen uns, dann reden wir (oder eher er) davon, dass wir heirat­en wer­den und was weiss ich. Aber diese ewigen Höhen und Tiefen sind doch nicht nor­mal! Wir sind vielle­icht bei­de zu tem­pera­mentvoll, ich ital­iener­in, er spanier, aber das ist doch keine entschuldigung. Wir sehen uns auch gar nicht zu oft, und wir wollen doch bald mal zusam­men­ziehen! Was ist nur los?
Manch­mal ist er so ego­is­tisch und arro­gant, und er denkt das
selbe über mich. Sind wir vielle­icht bei­de zu sen­si­bel und zu sehr mit uns selb­st beschäftigt? Ich will mit ihm zusam­men­bleiben, will ihn nicht verlieren.

Daniel_heiniger hat am 3/5/2003 geantwortet
Liebe Cic­ci­oli­na

Ich kenne wed­er die Psy­che ein­er Ital­iener­in, noch diejenige eines Spaniers beson­ders gut. Nur meine eigene, und ich bin Schweiz­er. Ob die Nation­al­ität etwas damit zu tun hat, weiss ich zwar nicht mit Bes­timmtheit, ich kann mir aber gut vorstellen, dass dem so ist. Und da ich im Sternze­ichen zusät­zlich noch eine Waage bin, führt das dazu, dass ich häu­fig zwis­chen zwei Parteien ver­mit­tle, wie z.B. jet­zt zwis­chen Dir und Deinem Freund… 😉


Was Du da beschreib­st, ist dur­chaus zwiespältig. Mit scheint, dass hier zwei Egos aufeinan­der­prallen, die sich zwar verbinden möcht­en, denen es aber offen­sichtlich bei­den schw­er fällt, auch mal vom eige­nen Stand­punkt abzurücken.


Wenn er im Laden z.B. wütend schre­it, Du sollest mal darauf acht­en, wie Du sel­ber reagierst, dann hält er Dir hier dur­chaus den richti­gen Spiegel vor. Du schreib­st ja selb­st, dass Du die Dinge, die ihm gefie­len, nicht so toll find­est. Das muss ja schon mal wie eine Belei­di­gung wirken. Auch wenn Du es hin­ter­her damit zu entkräften ver­suchst, dass Du deswe­gen aber nicht so ver­let­zend und gemein zu ihm seist. Sowas nen­nt sich trotz­dem “gle­ich­es mit gle­ichem vergel­ten” und ist sel­ten frucht­bar. Wie Du fest­gestellt hast, führt es nur zu ein­er Ver­här­tung der Fronten.


Meine Empfehlung wäre, dass Du ver­suchst, den Vor­wurf aus der Kom­mu­nika­tion her­auszunehmen und nur Deinen eige­nen Teil mit­teilst. Und zwar am besten so ruhig wie möglich. Kurz dur­chat­men, und dann ihm sagen “Lieb­ster, diese Bemerkung hat mich ver­let­zt. Ich empfinde sie als gemein. Ich gehe davon aus, dass Du sie nicht so gemeint hast.” Nicht mehr und nicht weniger. Und dann schaue mal, wie er jet­zt reagiert. Mein­er beschei­de­nen Mei­n­ung nach müsste ihm das den Wind aus den Segeln nehmen.


Sage ihm, was Du Dir von der Beziehung wün­scht. Wie Du Dich fühlst. Was die schö­nen Seit­en sind. Was Du an ihm lieb­st. Aber auch, eben, was Dich ver­let­zt. Ohne ihm vorzuschreiben, wie er sich zu ver­hal­ten hat, und ohne ihm zu sagen, was er ändern muss und wie. Sage ihm ein­fach, wie es Dir geht dabei. Und gle­ichzeit­ig soll­test Du ihn natür­lich so behan­deln, wie Du selb­st behan­deln wer­den möcht­est. Also ver­mut­lich ohne Gemein­heit­en, ohne “es ihm heimzuzahlen”.


Mit der anderen Kom­mu­nika­tion­sebene hast Du ver­mut­lich recht. Mit dem Alter kön­nte es allerd­ings dur­chaus auch etwas zu tun haben. Ein 35-jähriger Men­sch sieht viele Dinge anders als ein 22-jähriger.


Am Kom­mu­nika­tion­sstil lässt sich aber feilen. Du kannst auch mal sagen, dass es Dich schmerzt, dass jet­zt wieder so ein Stre­it ent­bran­nt ist. Dass Dein Gefühl ist, dass dieser Stre­it die Beziehung nicht ver­tieft, und dass Dir das weh tut.


Zusam­men­ziehen würde ich erst, wenn sich in diesem Bere­ich erste Verbesserun­gen zeigen (wenn ich mir diese Empfehlung erlauben darf).


Willst Du mir erzählen, wie es Dir weit­er erge­ht? Ich würde mich freuen.


Her­zliche Grüsse

— Daniel

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kind in eine neue beziehung

Nic­celi hat am 30/4/2003 gefragt:
ich habe einen 3 jahre alten sohn und bin seid einem jahr in ein­er neuen beziehung. wegen der dis­tanz zu meinem frund sehen wir uns nur am woch­enende. mein neuer fre­und und mein sohn mögen sich sehr gut wenn sie sich sehen. jedoch will mein fre­und mich auch mal alleine ohne das kind sehen und mit mir ein paar schöne stun­den ver­brin­gen. das geht in der regel aber nicht so gut und wenn ich es nicht irgend­wie hin­biegen kann habe ich mit ihm grossen stre­it. wie kann ich dieses prob­lem nur lösen?

Daniel_heiniger hat am 22/6/2003 geantwortet
Liebe Nic­celi

Auf­grund eines tech­nis­chen Prob­lems bei wetel­ly­ou habe ich Deine Anfrage erst jet­zt gese­hen. Ich hoffe, Du kannst immer noch etwas damit anfangen.


Als erstes möchte ich sagen, dass ich es toll finde, dass Dein Fre­und Deinen Sohn grund­sät­zlich akzep­tiert und sie sich gut mögen. Das entspan­nt schon vieles.


Dass er aber auch mit Dir alleine Zeit ver­brin­gen will, halte ich für legit­im. Nun musst Du auch etwas dafür tun, um das möglich zu machen. Dazu möchte ich Dir ein paar Fra­gen stellen:


Bist Du über­haupt bere­it, Dein Kind für einen Abend oder eine Nacht oder ein ganzes Woch­enende loszu­lassen und anderen Leuten zu übergeben? Die Ver­ant­wor­tung für Deinen Sohn für kurze Zeit an andere Men­schen zu über­tra­gen? Kannst Du darauf Ver­trauen, dass es Deinem Sohn auch gut­ge­hen wird, wenn er nicht bei Dir und unter Dein­er Obhut ist?


Welch­es sind genau die Ansprüche / Wün­sche? Will Dein Fre­und das ganze Woch­enende mit Dir allein ver­brin­gen? Genügt eine Nacht? Oder auch ein Sam­stag-Abend? Wie häu­fig soll sowas stat­tfind­en? Kann man das nicht mis­chen, z.B. ein­mal im Monat das ganze Woch­enende, ein­mal die Nacht, und noch ein­mal den Sam­stag Abend? Diese Fra­gen soll­test Du im Gespräch mit Deinem Fre­und her­auszufind­en ver­suchen. Am besten so konkret wie möglich. Ausser­dem wäre es schön, wenn ihr bei­de kom­pro­miss­fähig seid.


Ideen­samm­lung: Es gibt bes­timmt Men­schen in Dein­er Umge­bung (Mut­ter, Gross­mut­ter, Nach­barn, Fre­undin­nen), die die Rolle des Babysit­ters in diesem Sinne übernehmen kön­nen. Ich stelle mir vor, dass ein Babysit­ter für einen Abend rel­a­tiv leicht zu find­en sein müsste (Inser­at, Aushang im Migros oder im näch­sten Ober­stufen­schul­haus). Für eine Nacht übern­immt bes­timmt eine Dein­er Fre­undin­nen den Liebes­di­enst. Das ganze Woch­enende macht der Sohn bes­timmt gerne Ferien bei Dein­er Mut­ter, oder dann teilen sich zwei Fre­undin­nen oder Nach­barin­nen in die Rolle. Vielle­icht lädst Du eine Fre­undin ein, das Woch­enende in Dein­er Woh­nung mit Deinem Sohn zu ver­brin­gen, und fährst dafür zu ihm und dann hat er Dich dort ungestört bei sich Zuhause.


Ich hoffe, dass diese Ideen Dir weiterhelfen.


Her­zliche Grüsse

— Daniel

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Bin Wassermann-frau mit Aszendenten Krebs und …

Blitzeis hat am 27/4/2003 gefragt:
Bin Wasser­mann-frau mit Aszen­den­ten Krebs und wollte fra­gen ob eine Beziehung zu einem Sko­r­pi­on-mann mit Aszen­den­ten Jungfrau eine Chance hat.

Daniel_heiniger hat am 22/6/2003 geantwortet
Ich bin selb­st kein Astrologe, und deshalb kann ich Dir hier keine detail­lierte Analyse geben. Ver­suche es doch mal bei www.astro.at oder www.astro.ch. Bei let­zterem kannst Du Dir Dein Horoskop online selb­st zusammenstellen.

Anson­sten denke ich, dass die Frage falsch gestellt ist. Soweit ich weiss, gibt die Astrolo­gie keine defin­i­tiv­en und absoluten Auskün­fte. Also wirst Du auf diese Frage kein Ja oder Nein erhal­ten. Vielmehr ist es so, dass jede Beziehung grund­sät­zlich eine Chance hat. Garantien gibt es aber nie. Die Astrolo­gie kann höch­stens Hin­weise geben auf sen­si­ble Punk­te, auf die man beson­dere Aufmerk­samkeit richt­en sollte.


Her­zliche Grüsse

— Daniel

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Ich liebe zwei Frauen

Wetar hat am 21/4/2003 gefragt:
Ich bin seit einem knap­pen Jahr mit mein­er Fre­undin zusammen.
Die Beziehung zu ein­er ehe­ma­li­gen Arbeit­skol­le­gin scheint nun von ein­er Fre­und­schaft zu ein­er ern­sthaften Liebes­beziehung umzuschwenken.
Eigentlich möchte ich kein­er der bei­den den Lauf­pass geben. Da ich bei­de sehr mag. Warum soll mach auch seine Liebe auf eine Per­son beschränken? Wie kann ich das den bei­den klar­ma­chen, dass ich sie liebe aber sie nicht die einzige ist die ich liebe?
Ich habe die Befürch­tung dadurch bei­de Frauen zu verlieren..

Daniel_heiniger hat am 22/6/2003 geantwortet
Lieber Wetar

Ja, ich denke, mit dem let­zten Satz bringst Du es auf den Punkt. Die Befürch­tung wird sehr real sein.


Es fällt mir auf, dass Du schreib­st, dass Du bei­de sehr magst. Reicht “mögen” für eine Liebes­beziehung? Ist mögen=lieben? Daher würde Ich mich mal fra­gen, was ich denn eigentlich von ein­er Beziehung erwarte. Was bedeutet Beziehung für Dich? Und wie wäre es für Dich, wenn Deine Fre­undin einen zweit­en Fre­und hätte? Wäre das völ­lig ok für Dich?


Her­zliche Grüsse

— Daniel

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mein ex zurück

Sandy_bluewin hat am 16/4/2003 gefragt:
Ich weiss nicht was ich tun soll. ich ging vor einem hal­ben jahr nach eng­land.. mein fre­und hat­te sich immer weniger gemeldet und darum habe ich ihm einen brief geschrieben in dem ich schluss gemacht habe, aber geschrieben, dass ich hoffe, dass wir wieder eine chance haben wenn ich zurück bin und das ich ihn noch liebe… ich war dann noch ein paar mal in der schweiz.. er hat­te zwis­chen­durch 2 kurz-fre­undin­nen und jet­zt bin ich wieder zurück.. hab mich 1x mal mit ihm getrof­fen und wir hat­ten viel spass… irgend­wie habe ich das gefühl er ist unsich­er und wenn ich das the­ma beziehung anschnei­de blockt er ab. er hat­te im feb. ein­mal zu mir gesagt er würde mir gerne eine 2. chance geben aber damals kon­nte er nicht weil er eine hat­te, das ist aber mit­tler­weile wieder auseinan­der.. ich weiss, dass er im moment nicht weiss was er will, aber ich würde ihn gerne wieder zurück haben, er hat auch noch einen mit­be­wohn­er der ihn eher neg­a­tiv bee­in­flusst… ich bin am ende, ich weiss nicht was ich tun soll… bitte helft mir… ich muss auch noch sagen, er ist kein ein­fach­er mensch..und redet nicht immer viel oder gerne über prob­leme… ich weiss nicht mehr wie ich an ihn ran kom­men soll

Daniel_heiniger hat am 16/4/2003 geantwortet
Liebe Sandy

Du hast diese Frage anscheinend direkt an mich gerichtet. Es gibt unter uns aber weit­ere Experten, die Dir bes­timmt auch min­destens so gut wie ich selb­st antworten kön­nten. Ich füh­le mich zwar geehrt, aber gle­ichzeit­ig nicht so wahnsin­nig kom­pe­tent, Dir in dieser spez­i­fis­chen Sit­u­a­tion eine umfassende Antwort zu liefern. Was mir dazu ein­fällt, ist folgendes:


— Dass er nicht weiss, was er will, deutet darauf hin, dass er entwed­er schlicht und ein­fach Zeit braucht, oder aber, dass er sich nicht getraut, Dir zu sagen, dass das eigentlich heisst, dass er nicht mehr mit Dir in eine enge Beziehung ein­treten will.


— Dein erster Fehler (wenn ich das mal so sagen darf), war, mit ihm von Eng­land aus Schluss zu machen mit dem Hin­weis, dass Du ihn noch lieb­st und auf eine Chance hoff­st, wenn Du zurück­kommst. Was genau woll­test Du damit erre­ichen? Er muss das doch als Freib­rief nehmen, tun zu kön­nen, was immer er tun will — Dich wird er dabei ja nicht ver­lieren. Woll­test Du Dir selb­st die Frei­heit geben, Dich in Eng­land ver­lieben zu können?


— Lass Dir seine Aus­sage vom Feb­ru­ar mal auf der Zunge zerge­hen: “Ich würde Dir gerne eine Chance geben, aber ich habe ger­ade eine andere”. Wenn ihm das ernst wäre, würde er am näch­sten Tag mit dieser anderen Schluss machen und stattdessen mit Dir wieder neu anfangen.


Ehrlich gesagt ist meine per­sön­lich Mei­n­ung, dass Du ihn vergessen soll­test. So schw­er Dir das im Moment fällt und so schmerzhaft das sein wird: Schliesse das Kapi­tel ab. Ihm liegt ja offen­sichtlich nicht so viel an Dir. Konzen­triere Dich im Moment auf Deine Arbeit, pflege Deine Fre­undin­nen und Fre­unde, geh aus. So lap­i­dar es tönt: Es gibt noch mehr Män­ner in dieser Welt. Der­jenige, der zu Dir passt, wird schon noch auf Dich zukom­men und sich Dir zeigen. Geduld bringt Rosen (auch wenn das vielle­icht eine abge­drosch­ene Reden­sart ist, so bleibt sie doch wahr).


Her­zliche Grüsse

— Daniel

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Verzweifelt

Reto hat am 4/4/2003 gefragt:
Hal­lo Daniel
So, fol­gen­der­massen, ich bin seit 3 Monat­en mit Natasha zusam­men! Wir ver­ste­hen uns eigentlich sehr gut, nur dass Sie sich sehr häu­fig in ihre kleine Woh­nung ein­schliesst, und nie­man­den an sich her­an­lässt. Ihre Gefühlss­chwankun­gen sind eben­falls enorm. Am Mon­tag weiss sie nicht, wie fest sie mich umar­men und küssen soll — dann sehen wir uns 3 Tage nicht, und am vierten ist sie völ­lig abweisend zu mir. In Gesprächen darüber sagt sie immer, dass sie sich halt nicht gewöh­nt ist, eine so inten­sive und feste Bindung zu haben! Ich liebe diese Frau so bru­tal fest, und möchte sie ein­fach nicht ver­lieren. Aber ich komme ein­fach nicht an sie ran. Sie ruft mich sel­ten an, meis­stens bin ich der­jenige, welch­er sich bei ihr meldet. Ich möchte ein­fach nicht der­jenige sein, der sie über­rumpelt, aber wenn ich nichts mache, dann läuft auch nichts. Wenn sie einen guten Tag hat, dann merke ich wirk­lich von Herzen, dass sie mich liebt, aber eben, nur wenn es ihr gut geht!! Was soll ich tun, oder wie soll ich mich in Zukun­ft verhalten???

Daniel_heiniger hat am 4/4/2003 geantwortet
Mir scheint, Du kommst sehr wohl an sie her­an. Und berührst sie offen­bar auch sehr. Die Ver­liebthe­ist ist ja offen­sichtlich gegen­seit­ig. Bloss hat sie noch Angst vor ein­er solch inten­siv­en Beziehung, hat wahrschein­lich Angst davor, sich selb­st aufgeben zu müssen, sich selb­st zu verlieren.

Es braucht tat­säch­lich Zeit, sich an den Gedanken zu gewöh­nen, dass man jet­zt nicht mehr allein ist. Das heisst auch, dass man plöt­zlich bis zu einem gewis­sen Grad einem anderen Men­schen rechen­schaft schuldig ist. Dass dieser Men­sch viel Zeit mit mir ver­brin­gen möchte.


Ich weiss nicht genau, was ich Dir rat­en soll. Auf der einen Seite empfehle ich Dir, Dich auf Dein Gefühl zu ver­lassen, das Dir sagt, dass sie es ernst meint mit Dir, dass sie Dich zurück-liebt. Was wiederum heisst, dass Du ihr auch ruhig Zeit lassen kannst, die Geduld dazu auf­brin­gen soll­test, darauf ver­trauen, dass sie ihren Prozess durch­macht und dass sie mit der Zeit sich enger mit Dir verbinden wird. Vielle­icht hat sie ein­fach auch eigene Inter­essen, denen sie nach­leben will, und zu denen Du, wenn über­haupt, nur mit der Zeit Zugang find­en wirst, wenn sie das zulässt. Und dann gibt es tat­säch­lich auch Men­schen, die viel allein sein wollen und denen das auch gut tut. Ich bin selb­st so einer.


Auf der anderen Seite ver­ste­he ich auch, dass Du jet­zt am lieb­sten dauernd mit ihr zusam­men­sein möcht­est und Mühe hast damit, dass sie das offen­bar nicht so sehr will wie Du. Dann kann ich Dir nur rat­en: Bleib dran! Lass Dich nicht beir­ren. Ruf Du sie halt an, wenn sie Dich nicht anruft. Frag sie, ob sie es mag, wenn Du häu­fig anruf­st, wenn Du Vorschläge machst, wie ihr den Tag oder den Abend ver­brin­gen kön­ntet, oder ob sie sich belästigt fühlt. Wenn ja, dann musst Du Dich wohl oder übel zurückhalten.


Her­zliche Grüsse

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Patchwork Familie

See­lensee hat am 16/3/2003 gefragt:
Hallo,hab zwar null Ahnung ob ich hier richtig bin,aber da ist etwas was mich je länger je mehr belastet.Mein Part­ner und ich sind seit 3Jahren zusammen,ich habe 2 Jungs aus der Ehe mit meinem ver­stor­be­nen Mann und let­ztes Jahr kam noch unser gemein­samer Sohn dazu.Abgesehen von ein­er Beziehungskrise haben wir des öftern auch Stre­it wegen der Erziehung.Ich vertrete oder kann seine Ansicht­en zu wenig vertreten und er find­et die meini­gen total daneben.Er ist mir zu streng,zu herrschend und zu laut,ich schütze meine Kids davor und ver­let­ze ihn damit.Ich merk ein­fach dass ich mich nicht total umpolen lassen möchte,und denke wenn,dann müsste auch er etwas ändern und etwas von seinen Grund­sätzen und Wertvorstel­lun­gen abkommen.Ich weiss nicht mehr weiter,jedesmal disku­tieren wir darüber aber ich merk dann auch,dass es für mich so nicht stimmt.WAS tun?

Daniel_heiniger hat am 22/6/2003 geantwortet
Bei Erziehungs­fra­gen ist lei­der das Ei des Kolum­bus noch nicht gefun­den wor­den. Es gibt so viele Erziehungsan­sätze, wie es Väter und Müt­ter gibt. Welch­er davon richtig oder falsch ist, kann wohl kaum jemand wirk­lich beurteilen.

Meine per­sön­liche Mei­n­ung (und auch die viel­er Experten) ist die, dass eine Erziehung “fre­undlich aber kon­se­quent” sein sollte.


Du schreib­st wenig über Deinen eige­nen Erziehungsstil; Deine Hin­weise auf den­jeni­gen Deines Fre­un­des deuten jedoch darauf hin, dass er wenig Geduld hat und schnell laut wird.


Wäre es vielle­icht hil­fre­ich, wenn Ihr Euch darauf ver­ständi­gen kön­ntet, dass Du ihm über ein Sig­nal (z.B. eine Berührung am Arm) zu ver­ste­hen geben kannst, dass er jet­zt wieder zu weit geht oder zu laut wird. Kinder brauchen und wollen auch Gren­zen geset­zt bekom­men. Sie fordern dies ja häu­fig ger­adezu her­aus. Und Gren­zen­losigkeit ist auch schädlich. Allzu enge Gren­zen dage­gen ver­hin­dern ihre Entfaltung.


Nüt­zlich wäre es, wenn Ihr Euch unter vier Augen mit diesen Fra­gen auseinan­der­set­zt. Dabei soll­tet Ihr Abmachun­gen tre­f­fen darüber, wer wann find­et, dass der Part­ner jet­zt zu weit gegan­gen ist bzw. zu large war. Ich denke allerd­ings, dass die grund­sät­zliche Rol­len­verteilung schon stim­mig ist: Dass näm­lich der Mann im Hause streng ist und die Mut­ter etwas beschützend sein darf. Ihr müsst nur auf­passen, dass Ihr Euch vor den Kindern gegen­seit­ig heruter­ma­cht, was dazu führt, dass sie jeden Respekt ver­lieren. Ausser­dem beste­ht die Gefahr, dass die Kinder die unter­schiedlichen Erziehungsvorstel­lun­gen auszunützen ver­suchen. Kom­pro­miss­bere­itschaft auf bei­den Seit­en ist dazu allerd­ings wohl Voraus­set­zung. Wenn das nicht funk­tion­iert, möchte ich Euch gerne eine Ther­a­pie empfehlen, und zwar bei einem Paar- oder Fam­i­lien­ther­a­peuten. Diese neu­trale und unab­hängige Per­son wird mithelfen, dass Ihr wieder aus diesem Teufel­skreis her­aus­find­en könnt.


Her­zliche Grüsse und viel Mut

— Daniel

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giftstachel

Savch hat am 20/1/2003 gefragt:
wenn ich mich von meinem part­ner über län­gere zeit ver­let­zt oder unver­standen füh­le, set­ze ich (weib­lich, sko­r­pi­on) aus hil­flosigkeit oft meinen gift­stachel ein, indem ich mehr oder weniger bewusst äusserun­gen mache, wo ich weiss, dass sie meinen part­ner ver­let­zen kön­nten. meine bish­eri­gen part­ner kon­nten damit umge­hen. mein let­zter part­ner (waage) hat aus eben diesem grunde die pat­ner­schaft vor kurzem been­det, da er damit nicht klar kam. ich ver­suche seine entschei­dung zu akzep­tieren und doch möchte ich dieses prob­lem in den griff bekom­men. ich weiss, dass es am ein­fach­sten wäre, es gar nicht soweit kom­men zu lassen und über die gründe sofort zu sprechen. doch unab­hängig davon, wie kann ich ver­suchen solche äusserun­gen im entschei­den­den moment zu unterdrücken?
kön­nen sie mir einen tipp geben?

Daniel_heiniger hat am 20/1/2003 geantwortet
So ein Zufall — ich bin selb­st Waage…

Ich kenne das gut, ich hat­te selb­st mal eine Fre­undin, die gut und gerne den “Gift­stachel aus­ge­fahren” hat, wie Du Dich aus­drückst. Ich kon­nte auch lange nicht damit umge­hen, bis ich irgend­wann anf­ing, mich hin­ter­her, in ein­er ruhi­gen Minute, sie darauf hinzuweisen, dass mich diese oder jene Äusserung sehr ver­let­zt hat. Was ich denn auch Deinem Fre­und empfehlen würde, so er sich noch dafür interessierte.


Dir möchte ich kurz ein Vorge­hen schildern, das ich bei mir selb­st schon mehrmals mit Erfolg angewen­det habe, wenn es darum ging, dass ich ein mich oder andere stören­des Ver­hal­ten ändern wollte. Und zwar habe ich dazu ein drei-Schritte Pro­gramm entwickelt.


Grund­satz: Du bist nicht Deine Reak­tion. Wenn Du ver­let­zend wirst, ist es, nehme ich an, nicht in dem Sinne gemeint, dass Du die Belei­di­gung wörtlich meinst oder den Part­ner echt belei­di­gen willst. Son­dern es ist vielmehr eine Reak­tion auf eine eigene Ver­let­zung, oder dass Du Dich selb­st unver­standen fühlst (wie Du ja selb­st schreib­st). Daher: Du bist nicht Deine Reak­tion. Deine Reak­tion ist angel­erntes Ver­hal­ten. Es gibt auch andere Möglichkeit­en, als auf diese Weise zu kom­pen­sieren. Diese müssen nur erlernt werden.


Erster Schritt: Beobachte Dein eigenes Ver­hal­ten. In dieser Phase wird es noch nicht möglich sein, Dein Ver­hal­ten zu ändern. Vielmehr bemerkst Du erst hin­ter­her, dass Du jet­zt wieder ein­mal unnötig zu weit gegan­gen bist. Wenn Du dieses real­isierst, sage zu Dir selb­st: “Aha! Jet­zt bist Du wieder ein­mal in die Falle getappt!” Wenn Du magst, sage dies auch Deinem Part­ner. Und entschuldige Dich sog­ar dafür. Ver­sprich aber nicht, dass es nicht mehr vorkommt, denn es wird wieder vorkom­men. Entschuldige Dich ein­fach dafür. Das wird ihm gut­tun. Gle­ichzeit­ig kannst Du ihn darauf hin­weisen, was Dein Ver­hal­ten her­vorgerufen hat. Inwiefern Du Dich selb­st ver­let­zt oder unver­standen fühlst. Das wird schon mal zu sehr guten Gesprächen führen.


Zweit­er Schritt: Beobachte Dein eigenes Ver­hal­ten. Aber mit der Zeit wird Dein inner­er Alarm schon zu schrillen begin­nen, ger­ade während Du Deinen Part­ner ver­let­zt. Wenn Du es eim­mal nicht erst hin­ter­her, son­dern bere­its während­dessen merkst, weisst Du, dass Du in die zweite Phase einge­treten bist. Jet­zt hast Du die Möglichkeit, Dich sofort zu entschuldigen, oder sofort die Spitzen zu brechen. Auch diese Phase wird län­gere Zeit dauern, Wochen bis Jahre.


Drit­ter Schritt: Beobachte Dein eigenes Ver­hal­ten. Da Du Dir selb­st gegenüber immer sen­si­bler gewor­den bist, merkst Du jet­zt bere­its vorher, wenn Du in “Stichel­laune” kommst und kannst Dich bewusst dafür entschei­den, sie auszuleben, oder stattdessen die wahren Motive aufs Tapet zu brin­gen. In dieser Phase bist Du soweit, dass Du die eige­nen Ver­let­zun­gen und das Dir ent­ge­genge­brachte Unver­ständ­nis auf den Tisch leg­en kannst, bevor es Schaden anrichtet. Das empfehlenswerte Vorge­hen ist näm­lich, solche Dinge sofort auszus­prechen. “Mein Lieber, ich füh­le mich in der Sache xxx von Dir nicht ver­standen. Es ist mir aber wichtig. Darf ich mit Dir bitte nochmals darüber reden und Dir genau erk­lären, was ich meine?” Oder “Ich füh­le mich ver­let­zt durch xxx. Warum hast Du das getan/gesagt? Gibt es einen beson­deren Grund dazu?” Und schon führt ihr frucht­bare Gespräche, die Euch entwed­er einan­der näher brin­gen, oder klar machen, dass ihr eventuell nicht zusam­men gehört. Dies wäre wohl dann der Fall, wenn er über­haupt nicht auf Deine Gespräch­sange­bote eingeht.


Allfäl­lig musst Du ihm die Zeit geben, die Du selb­st gebraucht hast (oder noch mehr), sodass er selb­st auf diese Stufe wach­sen kann. Falls er sich über­haupt nicht für eine verbesserte Gespräch­skul­tur inter­essiert, ist es wohl Zeit, einen anderen Mann zu suchen.


Liebe Grüsse

— Daniel

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Pupertät

Sandy_search hat am 18/1/2003 gefragt:
Meine Tochter, welche im Juni 2003 15 jahre alt wird, kapselt sich seit einem hal­ben Jahr regel­recht zu Hause ab! Nichts ist mehr recht Ich als Allein­erziehende Mut­ter, welche noch arbeit­en muss und auch noch 2 Knaben zu ver­sor­gen hat, im Alter von 9 und 11 Jahren, werde von ihr als ” nichts ” dargestellt! Wir kön­nen nicht zusam­men sprechen, da sie immer meint, sie wisse, was sie zu tun hat und ich brauche ihr nichts mehr zu sagen! Sie hat auch schon gesagt, dass es ihr zu Hause nicht mehr gefällt und dass andere ” mehr ” haben, als wir! Ich werde mit der Sit­u­a­tion im Moment ein­fach nicht fer­tig und habe mir auch schon gedacht, einen Psy­cholo­gen dazu zu ziehen! Vielle­icht wäre es gut, wenn wir eine Fam­i­lien­ther­a­pie machen wür­den?! Sie hil­ft auch über­haupt nichts mehr zu Hause. Auch mit ihren Brüdern kommt sie nicht mehr zu recht. Sie stichelt sie oft und haben viel Krach zusam­men. Und dann wieder ver­sucht sie, die Buben zu erziehen. Sie hat sich­er viel miter­lebt! Sie ist das Kind vom ersten Mann, welch­er Alko­ho­lik­er war und mich Mis­shan­delt hat! Als er anf­ing, meine Tochter mit 1/2 jährig zu schla­gen, habe ich, als sie 1 1/2 jährig war, meinen Mann ver­lassen! Mein 2 Ehe­mann hat uns psy­chisch Mis­shan­delt und diese Ehe ging nach 8 Jahren in die Brüche! Aus dieser Ehe stam­men die 2 Buben! Ich weiss mir keinen Rat mehr. Ich möchte ihr gerne helfen, aber ich weiss nicht wie! Wenn sie in der öffentlichkeit ist, geht es wun­der­bar und alle rüh­men meine Tochter, aber eben, zu Hause ist sie wie ein umgekehrter Hand­schuh! Vielle­icht wis­sen sie mir einen Rat!
Vie­len Dank!
San­dra

Daniel_heiniger hat am 20/1/2003 geantwortet
Liebe San­dra

Das ist eine sehr schwierige Sit­u­a­tion. Bei den Kindern mein­er Frau (ich bin also ihr zweit­er Mann) sind mir zum Glück solch mas­sive Schwierigkeit­en erspart geblieben, obwohl es auch mir gar nicht leicht fiel (um nicht zu sagen, dass es mir häu­fig miss­glück­te), in ihrer Pubertät die richti­gen Worte zu find­en, um mäs­si­gend oder rich­tungsweisend auf ihr Ver­hal­ten einzuwirken. Als nicht-so-geplagter Stief­vater darf ich Ihnen deshalb vielle­icht fol­gende Ratschläge geben:


Geduld — bringt Rosen, sagt man. Ich weiss, das ist viel leichter gesagt, als getan. Aber es hil­ft nichts: Sie könnnen Ihre Tochter nicht von heute auf mor­gen ändern, noch kön­nen Sie Sich selb­st so schnell ändern. Viele Dinge sieht man im Lauf der Zeit als weniger gravierend an. Das gilt ins­beson­dere für Ihre Tochter: Geben Sie ihr Zeit, sich in der Welt der Erwach­se­nen zurecht zu find­en. Das bedeutet ja vor allem, dass sie mehr und mehr Ver­ant­wor­tung für sich und andere übernehmen muss und wird. Das macht auch Angst. Und wiegt schwer.


Nicht provozieren lassen, Ruhe bewahren — Das gehört ins selbe Kapi­tel wie die Geduld. Und heisst: Herum­schreien mit rotem Kopf bringt wenig. Das steigert nur die Ver­bis­senheit, mit der man seinen eige­nen Stand­punkt vertei­digt, sowohl Sie als auch Ihre Tochter. Es ist bess­er, in Ruhe miteinan­der zu reden. Wenn die Wut ver­raucht ist. Und man Zeit hat.


Ehrlichkeit — Möglicher­weise hat sie ja recht mit ihrer Aus­sage, dass “andere mehr haben” als sie. Da hil­ft wohl kein Beschöni­gen. Tat­sachen sind Tat­sachen. Und die soll man auch aussprechen. Und dazu ste­hen. Ihr habt bei­de ein schw­eres Leben gehabt. Mehr lag und liegt nicht drin. Sie müssen wahrschein­lich jeden Franken zweimal umdrehen, bevor Sie ihn aus­geben. Das ist keine Schande. Es geht vie­len Men­schen so. Zur Schande wird es erst, wenn man sich dafür schämt. Aber wofür sollen Sie sich schä­men? Sie haben getan, was getan wer­den musste. Sie haben ihr ganzes Leben hart gear­beit­et. Dafür müssen Sie sich nicht schä­men. Schliesslich gibt es andere Mit­tel, um sich glück­lich zu machen, als mit Din­gen, die mit Geld zu kaufen sind. Unternehmen Sie etwas mit ihrer Tochter, was auch ihr Freude macht. Lassen Sie ihre Phan­tasie wal­ten. Das braucht nicht viel Geld.


Klare Lin­ie — Sagen Sie ihr in ruhi­gen Worten, was für Sie drin liegt, und was nicht. Dass Sie nach wie vor die Ver­ant­wor­tung für sie tra­gen, auch wenn ihr das nicht recht ist. Wie spät sie Abends nach Hause kom­men darf, wie sie Zuhause im Haushalt helfen soll. Wie Sie sich ihren Umgang mit ihren Brüdern vorstellen. Und dann aber auch darauf behar­ren. In anderen Worten: Ver­lan­gen Sie nichts, was Sie nicht auch bere­it sind, durchzusetzen.


Hil­fe suchen — die Idee mit dem Psy­cholo­gen ist gar nicht so schlecht. Auch hier: Es ist keine Schande, wenn man sich helfen lässt. Ich bin selb­st jahre­lang in Ther­a­pie gewe­sen und es hat mir sehr geholfen. Meine Empfehlung wäre, bei einem Ther­a­peuten oder ein­er Ther­a­peutin eine erste Sitzung zu machen und dabei erzäh­le, wie es Ihnen geht, und um was es Ihnen geht, bei was sie genau Hil­fe benöti­gen. Gle­ichzeit­ig soll­ten Sie her­aus­find­en, ob Sie sich bei diesem Ther­a­peuten oder dieser Ther­a­peutin wohl fühlen. Ob Sie ihm/ihr ver­trauen kön­nen. Das ist das wichtig­ste bei ein­er Ther­a­pie. Sie soll­ten ihn/sie auch darauf ansprechen, ob eine Fam­i­lien­ther­a­pie sin­nvoll sei, oder ob Sie sich vielle­icht erst ein­mal selb­st helfen lassen wollen und dadurch gestärkt wieder auf Ihre Tochter zuge­hen kön­nen. Im Raum Zürich/Baden/Lenzburg kenne ich noch den einen oder anderen Psy­cholo­gen, den ich empfehlen kön­nte. Wenn Sie mir Ihren Wohnort ver­rat­en (pri­vat natür­lich, nicht öffentlich), dann empfehle ich Ihnen gerne den einen oder anderen Therapeuten.


Mit her­zlichen Grüssen

— Daniel

Daniel_heiniger hat am 20/1/2003 geantwortet
Liebe San­dra. Danke für Ihre Bew­er­tung und beson­ders für den Kom­men­tar dazu.

Allerd­ings möchte ich dazu sagen: Nicht verza­gen! Es nicht zu schaf­fen ist keine Option. Was soll das auch heis­sen? Natür­lich schaf­fen Sie das. Aber lassen Sie sich dabei helfen.


Lei­der kenne ich mich im Kan­ton Solothurn mit Ther­a­peuten nicht so gut aus. Vielle­icht wollen Sie es ein­fach mal aufs ger­ate­wohl im Tele­fon­buch pro­bieren? Suchen Sie unter “Psy­chol­o­gis­che Beratung” oder “Psy­chother­a­pie”. Und, wie gesagt, wenn Sie sich beim Ther­a­peuten in der ersten Sitzung nicht wohl fühlen, sagen Sie ihm das und ver­suchen Sie es bei einem anderen. Diese Leute sind dafür aus­ge­bildet, mit sowas umge­hen zu kön­nen. Es macht auch nichts, wenn Sie mehrere “durch­pro­bieren”. Es ist schliesslich zu Ihrem Besten. Fra­gen Sie auch danach, ob die Stun­den mit der Krankenkasse abgerech­net wer­den kön­nen. Das ist häu­fig der Fall, beson­ders bei psy­chi­a­trisch aus­ge­bilde­ten Ärzten.


Ich frage mal bei meinen Fre­un­den herum. Vielle­icht find­et sich doch noch ein­er, der einen guten Solothurn­er Ther­a­peuten ken­nt. Aber ver­lassen Sie sich nicht darauf.


Herzlichst

— Daniel

Daniel_heiniger hat am 21/1/2003 geantwortet
Der einzige Ther­a­peut, den ich Dir anbi­eten kann, ist dieser hier:

Peter Stuc­ki, Therapeut

Oeku­menis­che Beratungsstelle

Ehe-Fam­i­lien- u. Part­ner­schafts­fra­gen Seeland-Solothurn

Bahn­hof­str. 16, 2502 Biel

Tel 032 322 7880


Es inter­essiert mich, wie es Dir weit­er erge­ht. Bitte halte mich auf dem laufenden.


Viel Erfolg!

— Daniel

Link zum Orig­i­nal­post bei wetellyou.ch

Beziehungsfrage

Wisi hat am 25/11/2002 gefragt:
Ich liebe meine Frau, aber ich habe seit kurzem ein Ver­hält­nis mit ein­er attrak­tiv­en, intel­li­gen­ten jun­gen Dame. Was soll ich tun?

Daniel_heiniger hat am 25/11/2002 geantwortet
1. Was heisst, dass Du Deine Frau lieb­st? Heisst das, dass sie Dir so viel Wert ist, dass Du für sie bere­it bist, auf das eine oder andere zu verzicht­en? Bedeutet es, dass Dir das Ver­sprechen “bis dass der Tod euch schei­det” nicht nur leere Worte sind? Bedeutet es, dass Du Dir vorstellen kannst, mit ihr zusam­men alt zu wer­den? Etwas aufzubauen? Gemein­same Pläne zu ver­fol­gen? Kinder grosszuziehen? Im Pen­sion­salter zusam­men auf dem Ofen­bän­klein sitzen und das Leben Revue passieren zu lassen?

2. Was genau zieht Dich zu der jun­gen Dame? Ihr Alter? Ihre Attrak­tiv­ität? Ihre Intel­li­genz? (um nur schon bei den Din­gen zu bleiben, die Du selb­st erwäh­nt hast) Oder ist es das, dass sie (mehr oder weniger leicht) zu haben war? Dass sie Dich span­nend find­et? Dass sie Deinem Ego schmeichelt?


Eine bedeut­same Beziehung aufzubauen mit dem Men­schen, der einem am meis­ten bedeutet, erfordert viel Arbeit. Nicht alle von uns sind auch bere­it, diese Arbeit zu leis­ten. Man kann es sich z.B. zur Auf­gabe machen, die Lei­den­schaft, die in jed­er länger­dauern­den Beziehung irgend­wann geringer wird, ohne Zuhil­fe­nahme von fremder Energie wie beim Fremdge­hen wieder aufzufrischen. Dazu sind auch keine Swingerk­lubs oder Pornovideos notwendig. Die Häu­figkeit des Sex mit mein­er eige­nen Frau hat auch deut­lich nachge­lassen (wir sind seit 12 Jahren ver­heiratet). Wenn ich mich die innere Ein­stel­lung find­en kann, dass jede sex­uelle Begeg­nung mit ihr ein­ma­lig ist, und dass ich meine ure­igene männliche, phal­lis­che Energie zu dieser Begeg­nung mit­brin­gen kann und dann sehen, was sich daraus entwick­elt, aber auch die Offen­heit habe, mich auf den Augen­blick einzu­lassen und eventuell ganz woan­ders zu lan­den als ich ursprünglich wollte, dann kann neues entste­hen, von dem ich gar nicht wusste, dass es existiert.


Ich nehme an, dass ich Dir nicht erk­lären muss, dass Du mit der “attrak­tiv­en, intel­li­gen­ten jun­gen Dame” selb­stver­ständlich weit­er­ma­chen kannst, dass Du Dich von Dein­er Frau schei­den lassen kannst. Dass Du aber irgend­wann Dich wieder in der­sel­ben Sit­u­a­tion wiederfind­en wirst, dass Du näm­lich eine noch jün­gere und noch attrak­ti­vere und noch intel­li­gen­tere Dame find­en wirst, die Dich wieder ins selbe Dilem­ma stürzen wird. Warum die Sache nicht gle­ich richtig anpack­en und Dich bei der Dame für die schö­nen Stun­den, die ihr zusam­men ver­bracht habt, bedanken, aber im übri­gen Dich ver­ab­schieden und nach Hause gehen und dort mit der (Beziehungs-) Arbeit anfan­gen, mit der Frau die Du lieb­st, und die Dich liebt, und mit der Du eine Zukun­ft auf­bauen woll­test und immer noch willst (falls das denn der Fall ist).


Her­zliche Grüsse

— Daniel

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